Warum Intervalle nicht automatisch schneller machen — und wie ich das ändere
Intervalle sind für mich das effektivste Werkzeug, um Geschwindigkeit aufzubauen. Gleichzeitig sind sie ein häufiger Grund für Überlastungen, wenn sie falsch strukturiert werden. In meiner Arbeit als Trainer und Sportwissenschaftler habe ich gelernt: Es kommt nicht nur auf die Geschwindigkeit der Intervalle an, sondern auf Progression, Präzision und Regeneration. In diesem Artikel erkläre ich, wie ich Intervalleinheiten aufbaue, damit sie dich läuferisch schneller machen und gleichzeitig das Verletzungsrisiko minimieren.
Grundprinzipien, die jede Intervalleinheit bestimmen
Bevor ich in konkrete Sessions gehe, halte ich mich an ein paar Grundregeln:
- Kontrollierte Intensität: Intervalle sollten einen klaren Intensitätsbereich haben. Zu schnell trainiert nur das Gefühl von Tempo – nicht die physiologische Grundlage.
- Saubere Technik: Schnelle Schritte mit schlechter Technik sind ein Risikofaktor. Ich priorisiere Lauftechnik, vor allem wenn die Intervalle länger oder maximal sind.
- Progression: Intensität, Umfang oder Anzahl der Wiederholungen werden schrittweise erhöht – nicht alles auf einmal.
- Regeneration: Ausreichende Zwischenpausen und ruhige Trainingsphasen nach harten Einheiten sind Pflicht.
- Monitoring: Ich nutze Herzfrequenz, Pace und bei Bedarf Leistungsdaten (z. B. Stryd) – aber das Gefühl bleibt Referenzpunkt Nummer eins.
Aufbau einer Intervalleinheit: Schritt für Schritt
Ich strukturiere jede Intervalleinheit in fünf Blöcke, die ich vorab schriftlich festlege:
- Warm-up (15–25 Minuten)
- Mobilität & Technikdrills (5–10 Minuten)
- Hauptteil (Intervalle)
- Cool-down (10–20 Minuten)
- Reflexion & Regeneration (kurze Notiz, Aktive Erholung)
Ein gründliches Warm-up ist nicht optional. Ich beginne mit lockerem Joggen, steigere das Tempo und baue dynamische Mobilitätsübungen ein (Beinschwingen, Skippings, Lauf-ABC). Das reduziert das Verletzungsrisiko und erhöht die Qualität der Intervallwiederholungen.
Intervallängen und ihre Wirkung
Je nach Trainingsziel wähle ich die Intervalldauer:
- Kurze Intervalle (15–60 s): Fokus auf maximale Geschwindigkeit, Schrittfrequenz und neuromuskuläre Anpassung.
- Mittlere Intervalle (2–6 min): Ideale Zone für VO2max-Verbesserung und Tempohärte.
- Lange Intervalle (6–15 min): Entwickeln Laktattoleranz und wettkampfspezifische Ausdauer.
Ein häufiger Fehler ist, unterschiedliche Intervalldauern ohne klare Stoßrichtung zu mischen. Ich plane Wochen, die eine klare Dominanz zeigen: eine VO2max-Woche, eine Tempotraining-Woche, eine Regenerationswoche.
Beispiele für strukturierte Einheiten
Hier drei typische Sessions, die ich oft empfehle:
| Session | Aufbau | Intensität | Erholung |
|---|---|---|---|
| Schnellkraft-Intervall | 20′ Einlaufen + 12×30 s schnell + 20′ Auslaufen | 95–100% 5k Pace, Fokus Form | 90 s Trabpause |
| VO2max-Session | 20′ Einlaufen + 6×3′ im VO2-Bereich + 15′ Auslaufen | 3k–5k Wettkampftempo | 3′ Trab / Gehpause |
| Tempohärte | 25′ Einlaufen + 3×10′@HM-Tempo + 10′ Auslaufen | Marathon bis Halbmarathon Tempo | 5–6′ locker |
Wie viel Belastung ist sinnvoll?
Die richtige Frequenz und der Gesamtumfang sind entscheidend, um Fortschritt ohne Verletzung zu ermöglichen. Ich orientiere mich an folgenden Richtwerten:
- Harte Intervalleinheiten: 1–2 pro Woche (je nach Leistungsstand)
- Mittlere Intensität (Tempodauerläufe): 1 pro Woche
- Ruhe/leichte Läufe: dominant im Wochenvolumen
Als Faustregel: maximal 10–15% der Wochenkilometer in hochintensivem Bereich. Für Leistungssportler kann das höher sein, aber nur mit sorgfältiger Regeneration und Monitoring.
Regeneration und Verletzungsprävention — nicht verhandelbar
Nach harten Einheiten plane ich aktive Erholung: lockeres Laufen, Schwimmen oder Radfahren. Zusätzlich setze ich auf:
- Regelmäßige Mobilitätseinheiten (2×/Woche, 10–20 Minuten)
- Krafttraining für Rumpf und einbeinige Stabilität (2×/Woche) — essentiell für Laufökonomie
- Schlaf und Ernährung: Protein für Reparatur, Kohlenhydrate für Wiederauffüllung
- Monitoring der Müdigkeit: Ruhetage bei anhaltender HRV-Reduktion oder Schlafstörungen
Ich empfehle einfache Tests nach harten Intervallen: ein 10-minütiger lockerer Lauf; wenn die Form deutlich abfällt oder Schmerzen auftreten, gilt: abbrechen und analysieren, statt weiterzumachen.
Technik während der Intervalle — worauf ich achte
Schnelle Läufe ohne Technikbewusstsein bringen nur kurzfristige Gains. Während Intervallen achte ich besonders auf:
- Aufrechte Körperhaltung mit leichtem Vorneigern
- Kurz und effizienter Bodenkontakt (fußnah unter dem Schwerpunkt)
- Hüftstabilität und aktiver Armzug
Wenn ich Athleten coache, filme ich oft kurze Abschnitte (Smartphone reicht) und zeige konkrete Korrekturen. Kleine Technik-Checks in den Pausen verbessern die Qualität der nächsten Wiederholungen enorm.
Fehler, die ich immer wieder sehe — und wie du sie vermeidest
- Zu hart anfangen: Resultat ist Ermüdung und Technikverlust. Ich starte defensiv und steigere.
- Keine klare Pause: Pausen nach Gefühl sind oft zu kurz. Ich definiere Dauer und Art (Gehen vs. Trab).
- Kein Warm-up: Erhöht das Verletzungsrisiko drastisch. 15–25 Minuten sind das Minimum.
- Zu viele harte Einheiten: Mehr ist nicht immer besser. Qualität schlägt Quantität.
Tools, die ich nutze
Zur Strukturierung verwende ich Trainingsplattformen wie Garmin Connect oder TrainingPeaks und messe bei Bedarf Leistung mit Stryd. Wichtig ist: Die Daten unterstützen die Wahrnehmung, ersetzen sie aber nicht. Ich rate, Trends zu beobachten (z. B. Tempo zu gegebener HF) statt jede Einheit fragmentarisch zu beurteilen.
Ein konkreter 8-Wochen-Plan für Fortschritt ohne Risiko
Hier ein grober Leitfaden, wie ich Intervalle über zwei Monate aufbaue:
| Woche | Fokus | Intensität (harten Einheiten/Woche) |
|---|---|---|
| 1–2 | Grundlagenausdauer + Technik | 1 (kurze Sprints) |
| 3–4 | VO2-Anstieg | 1–2 (mittlere Intervalle) |
| 5–6 | Tempohärte | 1 (längere Intervalle/Tempo) |
| 7 | Leistungsmaximierung | 1 (kurz, sehr intensiv) |
| 8 | Regeneration & Form halten | 0–1 (locker) |
So stelle ich sicher, dass Belastung und Erholung im Gleichgewicht bleiben – und die Intervalle nachhaltige Leistungszuwächse bringen.