Shin-Splints (auf Deutsch oft als Schienbeinkantensyndrom oder medial tibial stress syndrome bezeichnet) gehören zu den häufigsten Laufverletzungen — und sie sind für viele Läuferinnen und Läufer tückisch: zuerst ein leichtes Ziehen, dann zunehmender Schmerz bei Belastung, bis das Training unmöglich wird. Als Läufer, Trainer und Sportwissenschaftler habe ich oft mit diesem Problem gearbeitet. In diesem Beitrag teile ich meinen praktischen Fahrplan: wie du dein Training anpasst, welche therapeutischen Übungen wirklich helfen und wann es Zeit ist, einen Facharzt aufzusuchen.
Was passiert bei Shin-Splints?
Kurz gesagt: die Belastung auf Schienbein und die umgebenden Muskel-Sehnen-Strukturen ist chronisch erhöht und führt zu einer Überlastungsreaktion. Häufige Ursachen sind plötzliche Trainingssteigerungen, falsche Lauftechnik, ungeeignete Schuhe, unebene Untergründe oder muskuläre Dysbalancen (z. B. schwache Fuß- und Unterschenkelmuskulatur). Wenn du das Gefühl hast, der Schmerz sitzt an der Innenkante des Schienbeins und tritt bei Belastung auf, handelt es sich sehr wahrscheinlich um Shin-Splints.
Erste Schritte: Sofortmaßnahmen
Wenn du akute Schmerzen bemerkst, gelten einfache Prinzipien: Last reduzieren, Entzündungszeichen checken, und die Beweglichkeit erhalten.
Trainingsanpassung: der sinnvolle Fahrplan
Die wichtigste Regel ist: kein zu schneller Progress. Ein strukturierter, schrittweiser Wiedereinstieg verhindert Rückfälle.
Therapeutische Übungen: meine Favoriten
Die folgenden Übungen stärken die relevanten Muskeln, verbessern die Kontrolle und vermindern Zug auf das Schienbein. Ich empfehle 2–3 Serien, 10–15 Wiederholungen, täglich bzw. alle zweiten Tage je nach Belastung.
Orthesen, Schuhe und Einlagen
Gute Laufschuhe mit ausreichender Dämpfung und stabiler Kontrolle der Fußbewegung sind wichtig. Es lohnt sich, den Schuhzustand zu prüfen: abgenutzte Sohlen oder schlechte Dämpfung erhöhen das Risiko. In manchen Fällen helfen individuelle Einlagen (z. B. von spezialisierten Podologen), vor allem bei starkem Überpronieren. Ich empfehle immer eine Laufanalyse (Video) verbunden mit einem Fachgespräch, bevor du teure Einlagen kaufst.
Praktischer Wochenplan (Beispiel nach akuter Phase)
| Montag | Crosstrainer 30–40 min (schmerzfrei) + Kräftigung |
| Dienstag | Geh-/Lauf-Intervalle 20–30 min + Mobilität |
| Mittwoch | Ruhetag oder leichtes Schwimmen + Übungen |
| Donnerstag | Leichter Lauf 20–30 min (subjektiv leicht) + Kräftigung |
| Freitag | Rumpf- und Hüftstabilität + Mobilität |
| Samstag | Längere Einheit moderat (sofern schmerzfrei) oder Radfahren |
| Sonntag | Aktive Erholung / Spaziergang |
Wann solltest du einen Facharzt aufsuchen?
Nicht jeder Schmerz ist harmlos. Suche einen Arzt (Orthopäde mit Sportmedizin, Unfallchirurg oder spezialisierte Sportklinik) auf, wenn:
Bei Verdacht auf Stressfraktur sind Bildgebung (Röntgen kann initial unauffällig sein; MRT oder Szintigrafie sind sensitivere Methoden) und eine fachärztliche Abklärung sinnvoll.
Tipps aus der Praxis
Auf Thegofasternuns findest du weitere Analysen zur Lauftechnik, konkrete Trainingspläne und Übungsvideos. Wenn du magst, schick mir ein kurzes Video von deinem Laufstil (Smartphone reicht) und beschreibe deinen Trainingsumfang — ich schaue mir das an und gebe dir praktische Hinweise zur weiteren Vorgehensweise. Sportliche Grüße, Julien