Ich erinnere mich noch gut an eine Phase, in der ich fast ausschließlich nach dem Kilometerzähler trainiert habe: mehr Tempo, mehr Kilometer, mehr Gefühl für „harter“ oder „leichter“ Lauf. Das brachte Ausdauer, keine Frage — aber die Technik blieb ein Schwarzfeld. Erst als ich begann, meine eigene Lauftechnik fremd-beobachten zu lassen (also von außen sehen zu lassen oder selbst mit Außenperspektive zu arbeiten), veränderte sich mein Training grundlegend. Plötzlich waren nicht mehr nur Kilometer und Tempo entscheidend, sondern subtile Bewegungsmuster, die effizienter, schneller und verletzungsärmer machten.
Warum fremd-beobachtung mehr bringt als der Kilometerzähler
Der Kilometerzähler sagt dir, wie weit und wie schnell du gelaufen bist. Er sagt dir nicht, wie du das getan hast. Aus meiner Erfahrung sind drei Aspekte entscheidend:
Was ich beobachte — meine Checkliste
Bei jeder fremd-beobachtung halte ich mich an eine feste Struktur. Das hilft, nicht in Details zu versinken und fokussierte Maßnahmen abzuleiten:
Wie du eine Fremd‑Beobachtung selbst durchführst — Schritt für Schritt
Du brauchst nicht zwingend einen Coach oder teure Ausrüstung. Mit Smartphone, ein paar Minuten Vorbereitung und klarem Plan bekommst du aussagekräftige Aufnahmen, die du sofort analysieren kannst.
Analyse: Worauf ich zuerst schaue und wie ich Maßnahmen ableite
Beim Anschauen der Aufnahmen folge ich einem klaren Ablauf:
Aus diesen Beobachtungen formuliere ich konkrete Trainingsimpulse: Technikdrills, Kräftigungsübungen, oder einfach Fokus-Cues für den Läufer.
Typische Befunde und meine Lösungsansätze
Hier einige Situationen, die mir häufig begegnen, und wie ich darauf reagiere:
Ein praktisches Protokoll für deine nächste Analyse
Ich gebe dir hier ein einfaches Protokoll, das du ausdrucken oder in dein Smartphone kopieren kannst:
| Aufnahme | Seite / Vorder / Rück |
| Tempo | Lang / Mittel / Schnell |
| Kadenz | _____ spm |
| Fußaufsatz | Ferse / Mitte / Vorfuß |
| Tibiawinkel | Vor dem Körperschwerpunkt / Unter dem KS |
| Rumpf | Aufrecht / Vorne / Seitliches Absinken |
| Maßnahme | Drill / Kräftigung / Cue |
Tools und Marken, die ich nutze
Für die Aufnahme verwende ich oft ein iPhone (gute 60 fps-Option) oder eine GoPro für Wiederholungen. Zur Analyse finde ich Apps wie Hudl Technique oder Coach's Eye praktisch — sie erlauben Frame-by-Frame, Markierungen und Vergleich mit Referenzvideos. Für zusätzliche Messdaten kombinieren viele Läufer Garmin‑Uhren oder Stryd‑Leistungssensoren, aber die externe Beobachtung ersetzt keine visuelle Analyse — sie ergänzt und erklärt die numerischen Daten.
Wie oft solltest du deine Technik fremd‑beobachten?
Ich empfehle eine komplette Videoanalyse alle 6–12 Wochen, je nach Trainingsintensität und Zielen. Kleinere Check‑Ins (z. B. einmal im Monat, kurze Clips von 30–60 Sekunden) helfen, Fortschritte zu dokumentieren und Handlungsfelder nachzujustieren. Wichtig ist: Verändere nicht alles auf einmal. Wähle 1–2 Fokuspunkte und arbeite daran systematisch.
Wenn du willst, kann ich dir bei deiner ersten Selbstanalyse helfen — schick mir ein kurzes Video (10–15 Sekunden) aus der Seitenansicht und ich gebe dir zwei konkrete Fokus‑Cues und eine Übung, mit der du in den nächsten zwei Wochen arbeiten kannst.