Wenn ich bei hohen Temperaturen lange Läufe plane, ist meine wichtigste Aufgabe vor dem Start: die Flüssigkeits- und Elektrolytstrategie so zu gestalten, dass Krämpfe, Leistungsabfall und eine zu starke Dehydratation möglichst vermieden werden. Aus eigener Erfahrung und aus der Arbeit mit Athleten weiß ich: es gibt kein "One-size-fits-all". Dennoch gibt es praktische Prinzipien, die zuverlässig helfen — und die ich dir hier konkret an die Hand gebe.
Warum Krämpfe bei Hitze häufiger auftreten
Hitze erhöht die Schweißrate, damit steigt der Verlust von Wasser und Elektrolyten — insbesondere von Natrium. Natriummangel im Blut und in den Zwischenräumen der Muskeln kann die Reizleitung stören und so zu schmerzhaften Krämpfen führen. Gleichzeitig verändert sich durch Dehydratation das Blutvolumen, die Herzfrequenz steigt und die Belastung für den Körper wird größer. Das ist der perfekte Nährboden für Krämpfe und Leistungseinbruch.
Mein grundlegendes Prinzip
Mein Ansatz basiert auf drei Säulen:
So messe ich meine Schweißrate (ein einfacher Test)
Das ist simpel und liefert Daten für die Praxis:
Beispiel: -1,2 kg während 1,5 Stunden + 0,6 L getrunken = 1,8 L Verlust → 1,2 L/h Schweißrate.
Wie viel Natrium brauche ich?
Die Natriumverluste variieren stark — zwischen ~400 mg/L und >2000 mg/L Schweiß. Deshalb ist die Kenntnis der eigenen Schweißsalzigkeit wichtig (einfach anhand von getrockneten Salzspuren auf Haut/Kleidung) und idealerweise die Schweißanalyse in spezialisierten Labors. Als Praxisrichtwert nutze ich:
Ich runde gerne konservativ hoch — lieber etwas mehr Salz als zu wenig, besonders bei Hitze.
Praxisbeispiele für Getränke
Hier ein paar einfache Rezepte und Optionen, die ich unterwegs nutze:
| Getränk | Natrium (ca.) | Kohlenhydrate | Vorteil |
|---|---|---|---|
| Fertiges Sportgetränk (z.B. Tailwind, Maurten, Gatorade) | 300–1000 mg/L (je nach Produkt) | 6–12 % | Praktisch, abgestimmt; oft gute Kohlenhydratmenge |
| Selbstgemacht: Wasser + 1/2 TL Salz + 1 EL Honig pro 500 ml | ~500–700 mg/L | ~8–10 % | Günstig, leicht persönlich anpassbar |
| Salztabletten + Wasser | je Tablette 200–500 mg Na (je nach Marke) | 0 | Präzise Natriumkontrolle, wenig Gewicht |
| Essiggurken-/Pickle-Juice (kleine Menge) | hoch konzentriert | 0 | Schnelle Krampfauflösung bei akutem Krampf |
Konkreter Trinkplan für einen 2–3 Stunden Lauf bei Hitze
Angenommen: Schweißrate 1,2 L/h, Ziel: Verlust maximal -2% Körpergewicht, Natriumbedarf ~900 mg/L.
Elektrolyttabletten, Sportgetränke oder natürliche Lösungen?
Ich verwende alle drei Varianten, je nach Situation:
Training und Akklimatisation sind entscheidend
Nicht alles lässt sich durch Getränke lösen. Ich sorge immer dafür, dass Athleten und ich sich stufenweise an Hitze gewöhnen: 7–14 Tage kontrollierte Belastung in wärmeren Bedingungen reduziert Schweißverlust, optimiert Elektrolytbalance und senkt die Herzfrequenz bei gleicher Pace. Außerdem: Sonnenschutz, leichte Kleidung, und Anpassung des Umfangs/Intensität sind Teil meiner Strategie.
Warnhinweise, die ich meinen Athleten gebe
Wenn du möchtest, kann ich dir anhand deiner Schweißrate und Zieltempo einen konkreten, individuelleren Trink- und Salzplan erstellen — schreib mir die Daten (Gewicht, voraussichtliche Dauer, vergangene Erfahrungen mit Krämpfen, bevorzugte Produkte) und ich rechne das für dich durch.