Überlastungsbeschwerden schleichen sich leise in den Trainingsalltag: erst ein Ziehen nach dem Lauf, dann ein hartnäckiges Zwicken, das dich bei jedem Schritt erinnert. Früher oder später entscheiden kleine Defizite in Kraft, Beweglichkeit oder Belastungsverteilung darüber, ob aus einem temporären Schmerz eine längere Pause wird. Damit du das Risiko frühzeitig erkennst, stelle ich dir hier die besten, einfach selbst durchführbaren Tests vor — inklusive konkreter Durchführung, Interpretationshinweise und was du tun kannst, wenn ein Test auffällig ist.
Warum Selbsttests sinnvoll sind
Ich empfehle regelmäßige Schnellchecks, weil sie dir erlauben, Veränderungen zu sehen, bevor Schmerzen chronisch werden. Professionelle Diagnostik bleibt unverzichtbar bei starken oder anhaltenden Beschwerden, aber viele Warnsignale lassen sich mit minimaler Ausrüstung und etwas Wissen zuhause entdecken. Teste dich gezielt nach intensiven Trainingsphasen, bei neuem Trainingsumfang oder sobald du ein wiederkehrendes Ziehen spürst.
Was du brauchst
Der Einbeinige Sprungtest (Single-Leg Hop Test)
Wozu: Er beurteilt Explosivkraft, Symmetrie und Landekontrolle — besonders relevant nach Achillessehnen- oder Sprunggelenksproblemen.
So führst du ihn durch:
Beurteilung: Große asymmetrische Differenzen deuten auf Kraft- oder Koordinationsdefizite. Achte auch auf unsaubere Landungen, instabile Knie oder Seitabweichungen — das kann Hinweise auf Knie- oder Hüftprobleme sein.
Der Einbeinige Kniebeugen-Test (Single-Leg Squat)
Wozu: Prüft Hüftstabilität, Quadrizeps-Kontrolle und Knieachsenverlauf — häufige Ursache für Patellofemorale Beschwerden und IT-Band-Probleme.
So führst du ihn durch:
Beurteilung: Ein deutliches "Knie nach innen" (Valgus) ist ein Warnsignal. Ursachen: schwache Hüftabduktoren, mangelnde Fußstabilität oder motorische Kontrolle. Trainingsansatz: einbeinige Hüftabduktionsübungen, Clamshells, laterale Step-ups.
Y-Balance Test (vereinfachte Version)
Wozu: Systematischer Test für dynamische Balance und funktionelle Reichweite — gute Früherkennung für Knieschmerzen und Sprunggelenksprobleme.
So führst du ihn durch:
Beurteilung: Differenzen > 4 cm zwischen Seiten oder reduzierte Reichweite in einer Richtung zeigen funktionelle Limitationen. Praktisch: kleine Trainingsblöcke mit Balancetraining und exzentrischer Kraft können hier viel bewirken.
Waden- und Achillessehnen-Test (3×30 Sobe-Tests und Belastungssymptom-Check)
Wozu: Früherkennung von Achillessehnen-Überlastung und Wadenmuskelschwäche.
So führst du ihn durch:
Beurteilung: Schmerzen während des Tests und ein Nachlassen der Leistung deuten auf Überlastung. Bei bilanzieller Schwäche lieber exzentrisches Training (z. B. Alfredson-Protokoll) dosiert beginnen und ggf. Fachperson aufsuchen.
Schienbeintest: Lunken- und Druckprovokation
Wozu: Abgrenzung von mediales Tibia-Stress (Shin Splints) versus Stressfraktur.
So führst du ihn durch:
Beurteilung: Diffuser Schmerz nach Belastung ist oft muskulär/Periostitis; punktuelle, zunehmende Schmerzen erfordern sofortige Reduktion der Belastung und ärztliche Abklärung (Röntgen/MRT).
Hüftbeuger- und Quadrizeps-Mobilität (Thomas-Test-Variation)
Wozu: Verkürzte Hüftbeuger führen zu Überlastung im unteren Rücken und veränderten Laufmustern, was wiederum Knie- und Schienbeinsbeschwerden begünstigt.
So führst du ihn durch:
Beurteilung: Hochgezogene oder gebeugte Hüfte deutet auf Verkürzung. Mobilisations- und Dehnprogramme kombiniert mit aktiver Hüftstreckung sind hier sinnvoll.
Wie oft testen? Eine sinnvolle Routine
Für mich hat sich folgende Praxis bewährt:
Was tun bei positivem Test?
Wenn ein Test auffällig ist, beginne mit:
Praktische Tipps zur Umsetzung
Diese Tests sind Werkzeuge — nicht die ganze Wahrheit. Sie geben dir aber eine verlässliche Frühwarnung und eine konkrete Basis, um zielgerichtet zu handeln: weniger Panik, mehr Struktur. Wenn du möchtest, kann ich dir ein kurzes PDF mit einem Wochenplan zur Test-Routine und ein Template für dein Screeningergebnis erstellen.